KOMPLEXITÄT & PRÄZISION: ART COMMISSION

Ein Schlüsselelement der wachsenden Aktivitäten von Audemars Piguet im Bereich zeitgenössischer Kunst ist die Audemars Piguet Art Commission, die 2014 ihren Anfang nahm. Das Programm unterstützt jährlich aufs Neue Künstler, die Werke von außergewöhnlicher Komplexität und Präzision oder von Erfahrungen geprägte Kreationen schaffen. Die neu in Auftrag gegebenen künstlerischen Arbeiten, die von einem Gastkurator betreut und von einem internationalen Beratungsgremium ausgewählt werden, werden der Öffentlichkeit zeitgleich zur Art Basel in Basel, Hong Kong oder Miami Beach vorgestellt. Audemars Piguet unterstützt die eingeladenen Künstler mit den notwendigen Mitteln und stellt den Zugang zu fortschrittlichen Tools, handwerklichem Know-how oder Spitzentechnologien sicher, um die Umsetzung neuer, kreativer Projekte zu ermöglichen.

Die Kommission 2018:

Semiconductor, Halo

Das britische Künstlerduo Semiconductor, bestehend aus Ruth Jarman und Joe Gerhardt, wurde damit beauftragt, in Zusammenarbeit mit der diesjährigen Gastkuratorin und Leiterin des Kulturprogramms bei der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN, Mónica Bello, ein Werk für die 4. Audemars Piguet Art Commission zu kreieren.

Die visuelle und akustische Installation lässt die Besucher immersiv die Entstehung von Materie im frühen Universum erfahren, inmitten wissenschaftlicher und technologischer Vorrichtungen, die am CERN zur Untersuchung dieses Phänomens entwickelt wurden. Diese können sich hinsetzen- oder legen – umgeben von Millionen von Datenpunkten, die bei Experimenten am größten und leistungsfähigsten Teilchenbeschleuniger der Welt erfasst wurden: dem Large Hadron Collider, der aus einem 27 Kilometer umfassenden Ring supraleitender Magneten besteht. Hier trifft die Technologie auf das Erhabene, während der Besucher zum Sternenbeobachter wird.

NIEMALS ZUVOR HATTEN WIR GLOCKENSPIELE IN UHRENSPIELE GESEHEN. ES IST FASZINIEREND, SIE FUNKTIONIEREN ZU SEHEN UND IHR KLANG IST WUNDERVOLL. VIELLEICHT HAT UNS DIES BEEINFLUSST ODER ES WAR ALLES NUR EIN GLÜCKLICHER ZUFALL ... JEDENFALLS HABEN WIR EIN RIESIGES INSTRUMENT GESCHAFFEN, DAS SICH SEHR ÄHNLICH SPIELT

Semiconductor

Das Paar arbeitet seit über zwanzig Jahren zusammen und schafft Werke, die die Möglichkeiten des bewegten Bildes als Bildsprache erweitern.

In seinen immersiven Installationen und Videoarbeiten erforscht es die materielle Natur unserer Welt und ergründet, wie Wissenschaft und Technologie unsere Erfahrungen beeinflussen.

HALO

ÜBER DAS WERK

Bei dieser Installation arbeitet ein Künstler erstmals direkt mit Rohdaten aus dem ATLAS-Experiment. Auf der Art Basel werden die Besucher dazu eingeladen, HALO zu betreten – eine 10 Meter breite, zylinderförmige Struktur mit 4 Meter hohem Klaviersaitendraht rund um den Gesamtumfang. Im Inneren von HALO befindet sich ein 360-Grad-Bildschirm, auf den Daten einer Reihe von Protonenkollisionen projiziert werden, die von CERN-Rohdaten gespeist werden. Semiconductor hat die Kollisionen verlangsamt und schafft dadurch ein fantastisches visuelles Phänomen, das für das menschliche Auge lesbar ist und von jedem Besucher verstanden und bewundert werden kann.

GASTKURATOR

MÓNICA BELLO

Mónica Bello ist die Leiterin der Abteilung Arts@CERN und unabhängige Kunstkritikerin. Arts@CERN fördert den Dialog zwischen Teilchenphysikern und Künstlern mit einer Reihe von Initiativen, darunter längere Aufenthalte, Besuche und Begegnungen im Labor.

Sie ist seit mehr als 10 Jahren als Kuratorin und Leiterin künstlerischer Programme in einigen der innovativsten interdisziplinären Einrichtungen Europas tätig und verfügt über umfangreiches Wissen und Expertise in Sachen Entwicklung, Programmplanung und Strategie kultureller Institutionen.

DAS AUFTRAGSWERK 2017:

LARS JAN, Slow-Moving Luminaries

Alljährlich lädt die Audemars Piguet Art Commission eine Künstlerin oder einen Künstler ein, die Themen Komplexität und Präzision auszuloten. Die Kommission unter der Leitung eines Gastkurators beschafft nicht nur die benötigten Materialien, sondern stellt auch das seitens der Künstlerin oder des Künstlers bei der Verwirklichung des Werks angeforderte technische Know-how bzw. Fachwissen bereit.

Ich schwanke zwischen zwei Impulsen – die Realität zu betrachten oder um Hilfe zu schreien – und lebe irgendwo in der Mitte.

LARS JAN

Lars Jan ist Künstler, Aktivist, Regisseur, Designer, Autor, Filmemacher und Fotograf. Bekannt für visuell ausdrucksstarke, genreübergreifende Performance- und Installationsarbeiten, experimentiert er in seinen Werken mit neuen Technologien, Live-Interaktionen und nicht klassifizierbaren Erfahrungen.

ÜBER DAS WERK

Für die dritte Audemars Piguet Art Commission schuf der in Los Angeles ansässige Künstler Lars Jan eine immersive mechanische Installation mit einer Zwei-Ebenen-Struktur an der Küste von Miami Beach. Das experimentelle Werk mit schwebenden Modellbauten, einer Reihe großformatiger Leuchtkästen und einem Film erinnert an den langen Lauf der Zeit, die Vergänglichkeit und die Verwischung zwischen Kultur- und Naturlandschaften.

In einer Stadt am äußersten Rand des Kontinents zeigt „Slow-Moving Luminaries“ eine faszinierende und zugleich alarmierende Begegnung von natürlichen und künstlichen Elementen und veranlasst den Besucher, einen Moment der Kultur zwischen Zivilisation und Chaos ins Auge zu fassen.

GASTKURATOR

KATHLEEN FORDE

Kathleen Forde wurde als Gastkuratorin für die dritte Audemars Piguet Art Commission eingeladen. Ihr gemeinsames Projekt mit dem ausgewählten Künstler Lars Jan wird auf der Art Basel in Miami Beach im Dezember 2017 vorgestellt. Die in Istanbul und New York lebende Kathleen Forde ist künstlerische Leiterin für besondere Aufgaben am Borusan Contemporary in Istanbul, wo sie bereits zahlreiche Soloausstellungen organisiert hat. Gleichzeitig arbeitet sie als selbstständige Kuratorin für verschiedene nationale und ausländische Einrichtungen.

DAS AUFTRAGSWERK 2016:

SUN XUN, RECONSTRUCTION OF THE UNIVERSE

Anlässlich der zweiten Audemars Piguet Art Commission kreierte der in Peking lebende Künstler Sun Xun „Reconstruction of the Universe“, ein extravagantes, zeitbasiertes Gesamtkunstwerk, das aus Animationsfilmen besteht, die auf flache und kugelförmige Oberflächen projiziert werden. Dabei setzt er sowohl zwei- als auch dreidimensionale Filmtechniken sowie eine Reihe von Holzschnitten ein. Die multimediale Installation wurde auf der Art Basel in Miami Beach im Dezember 2016 vorgestellt. Im Juli 2017 wird der Kern der Arbeit, die Stop-Motion-3D-Animation „Time Spy“, täglich kurz vor Mitternacht auf dem Times Square drei Minuten lang ausgestrahlt.

Die faszinierende Handwerkskunst und der unermüdliche Einsatz für Innovatives, aber auch Traditionelles der Uhrmacher erinnerten mich daran, dass es unheimlich wichtig ist, das eigene Denken stets zu hinterfragen.

SUN XUN

Der Multimedia-Künstler Sun Xun, der bei seinen traumhaften, expressionistischen Arbeiten einige der traditionellsten und hochmodernsten künstlerischen Techniken vermischt, wuchs im ländlichen Fuxin in der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas auf und lebt heute in Peking. Egal ob er an traditionellen chinesischen Tuschezeichnungen, Holzschnitten oder Animationen arbeitet: Seine sorgfältige und hoch komplexe Vorgehensweise widmet sich Themen wie Geschichte, Erinnerung, Wahrnehmung oder Metaphysik.

ÜBER DAS WERK

Das Werk „Reconstruction of the Universe" wurde unter einem S-förmigen, vom Architekten entworfenen Bambuspavillon am Strand enthüllt. Im Mittelpunkt der Installation stand die zehnminütige Stop-Motion-3D-Animation Time Spy von Sun Xun. Die surrealistische Meditation zu Zeit, Kosmologie und individueller Geschichte beeindruckt mit hybriden Tier-Mensch-Kreaturen, kuriosen motorisierten Mechanismen sowie verträumten Landschaften. Diese reichten von Weltraumansichten über Erinnerungen an sein Heimatland China bis zu Augenblicken, die er in Le Brassus einfing. Neben dem 3D-Film wurden auch Original-Holzschnitte und eine Reihe kugelförmiger Bildschirme ausgestellt, auf denen die Animationsfilme von Sun Xun auf 360 Grad zu sehen waren.

GASTKURATOR

RUIJUN SHEN

Die in Asien lebende Gastkuratorin der Art Commission 2016 Ruijun Shen brachte ihre umfangreiche Erfahrung als Kuratorin und Künstlerin in das zweite Projekt der Reihe ein. Sie leitete die Auswahl des in Peking lebenden Künstlers Sun Xun, dessen Auftragswerk auf der Art Basel in Miami Beach 2016 enthüllt wurde.

DAS AUFTRAGSWERK 2015:

ROBIN MEIER, SYNCHRONICITY

Robin Meier schuf eine tiefsinnige Arbeit voll zerbrechlicher Verworrenheit, in der Lebewesen und technische Objekte, die scheinbar keinen Bezug zueinander haben, harmonisch synchronisiert nebeneinander existieren. Sie wird der Öffentlichkeit im Volkshaus in Basel im Rahmen der Art Basel 2015 als das erste eines jährlich auserwählten Auftragskunstprojekts vorgestellt. Vom ersten Gastkurator des jährlich stattfindenden Programms, Marc-Olivier Wahler, organisiert und mit Hilfe internationaler Experten und Forscher entwickelt, erweckt die Arbeit ein verblüffendes, in sich abgeschlossenes Universum zum Leben und wirft zugleich wissenschaftliche und philosophische Fragen mit weitreichenden Auswirkungen auf.

SYNCHRONICITY

Ich war schon immer von komplexen Systemen fasziniert, die sich irgendwie selbst organisieren.

ROBIN MEIER

Für die erste Ausgabe der Audemars Piguet Art Commission schuf Robin Meier eine tiefsinnige Arbeit voll zerbrechlicher Verworrenheit, in der Lebewesen und technische Objekte, die scheinbar keinen Bezug zueinander haben, harmonisch synchronisiert nebeneinander existierten. Die Installation wurde der Öffentlichkeit auf der Art Basel 2015 in Basel vorgestellt. Seitdem wurde die Arbeit beim Preis der Fondation d’Entreprise Ricard in Paris 2016 und im Eli and Edythe Broad Art Museum der Michigan State University 2017 präsentiert.

ÜBER DAS WERK

Das aus einem luftverschlossenen Zelt mit Pumpen, Seilen, Taktmessern, rubinroten Wachstumslampen, verschiedenen Maschinen, Pflanzen, Hunderten LED-Lichtern, Dutzenden Grillen und Tausenden Glühwürmchen bestehende Projekt „Synchronicity" von Meier ist ein verworrenes und tiefsinniges, begehbares Werk. Die natürlichen und technischen Elemente bringen sich in einen kohärenten sicht- und hörbaren Rhythmus, der veranschaulicht, wie sich Lebewesen und technische Objekte, die scheinbar keinen Bezug zueinander haben, harmonisch synchronisieren.

GASTKURATOR

MARC-OLIVIER WAHLER

Marc-Olivier Wahler ist ein in der Schweiz geborener, international anerkannter Kurator. Als ehemaliger Leiter des Palais de Tokyo in Paris, Europas größter Ausstellungsstätte für zeitgenössische Kunst, ist er aktuell Leiter des Eli and Edythe Broad Art Museum der Michigan State University. Marc-Olivier Wahler hat nicht nur mehr als 400 Ausstellungen organisiert, sondern gründete auch die Chalet Society in Paris und war Kunstberater des De Appel Arts Center in Amsterdam.

DAS AUFTRAGSWERK 2014:

STRANDBEESTS VON THEO JANSEN

Gemeinsam mit dem Peabody Essex Museum präsentierte Audemars Piguet zeitgleich zur Art Basel 2014 in Miami Beach eine Gruppe der „Strandbeests" des niederländischen Künstlers und Erfinders Theo Jansen auf einem der bekanntesten Strände Amerikas. Faszinierte Besucher schauten Jansen gebannt zu, als er die mit Windkraft betriebenen Kreaturen Tag für Tag im Rahmen der öffentlichen Vorführungen die South Beach entlanglaufen ließ.

THEO JANSEN

Der niederländische Künstler, Ingenieur und Erfinder Theo Jansen studierte an der Technischen Universität Delft Physik. Sein Interesse für Physikwissenschaft – insbesondere Aeronautik und Robotik – prägte sein kreatives Werken. Er ist vor allem für seine Strandbeests bekannt: Eine Horde massiver, laufender kinetischer Skulpturen, die eine Software für die Simulation künstlichen Lebens nutzen und aus normalen Elektrikrohren gebaut wurden. Der Künstler nennt sie „eine neue Form des Lebens“. Ursprünglich war seine Idee, dass die mit Windkraft betriebenen Kreaturen den vom zurückweichenden Wasser zurückgelassenen Sand landeinwärts schieben könnten, so dass ein natürlicher Schutz vor einem steigenden Meeresspiegel entstünde.

ÜBER DAS WERK

Zur Installation in Miami Beach gehörte die neuste Gruppe der Strandbeests von Jansen, darunter der dreizehn Meter lange Animaris Suspendisse sowie die Reproduktion seiner Werkstatt an der niederländischen Küste. Außerdem hielt eine Ausstellung der kinematischen Fotografien von Lena Herzog die Evolution der Strandbeests in Bildern fest. Obwohl sie an hochkomplexe Dinosaurierskelette erinnern, werden die Strandbeests aus modernen Materialien hergestellt: Flexible Leitungen aus Polyvinylchlorid (PVC) – ein Material, das Jansen gerne als sein „künstlerisches Protein“ bezeichnet – sowie recycelte Wasserflaschen und Fahrradpumpen.

STRANDBEESTS

Nach mehr als zwei Jahrzehnten des Experimentierens und der Entwicklung sind die einst kümmerlichen Gebilde der „Strandbeests" von Jansen zu komplexen Kreaturen geworden, die selbstständig auf ihre Umwelt reagieren können.

DAS AUFTRAGSWERK 2013:

KOLKOZ : CURIOSITY

Auf der Art Basel 2013 in Miami Beach stellten Kolkoz ein lebensgroßes, aufblasbares Schweizer Chalet vor, bei dem weder der Blockhausstil noch die dicke Schicht Schnee auf dem Dach fehlte. Es war surreal mitanzusehen, als das Chalet auf einem Kunsteisblock vor dem Marine Stadium am Ufer von Miami aufgestellt wurde.

KOLKOZ

Hinter dem französischen Künstlerduo Kolkoz stecken Samuel Boutruche und Benjamin Moreau. Zum Repertoire der beiden gehören konzeptuelle Skulpturen, Installationen, Zeichnungen, Performancekunst, öffentliche Auftritte und sogar Videospiele, die die Schnittstelle zwischen der realen und der virtuellen Welt ausloten.

Wir wollten das Chalet in seiner ursprünglichsten Form darstellen und diese Form als Hütte oder als Symbol für die Anfänge der Behausungen der amerikanischen Siedler zeigen. Wenn wir die Hütte als Sinnbild für die Architektur der amerikanischen Siedler begreifen, steht das Werk in einem krassen Kontrast zur goldenen Ära der Freizeitindustrie in den 1970ern und dem eleganten Marine Stadium von Hilario Candela.

ÜBER DAS WERK

In Anlehnung an das Thema der Entwurzelung und Entdeckung ist der Name „Curiosity“ eine Hommage an die NASA-Mission Exploration Rover, die 2012 auf dem Planet Mars landete. Die Curiosity der NASA kann Inbegriff für extraterrestrische Mobilität sein, aber auch als eine Art Eindringling gesehen werden. Genauso erinnert die Installation von Kolkoz an die entlegene Alpengegend und den Schweizer Jura in der Heimat von Audemars Piguet, aber auch an das beständige, unerschrockene Bestreben der Marke, neues technisches und ästhetisches Terrain zu beschreiten.