THE BEAST SPRENGT SEINE FESSELN

DIE ROYAL OAK OFFSHORE, REF. 25721, NR. 32

REF. 25721, NR. 32

Die Royal Oak Offshore

Der Weg hin zur Entwicklung eines neuen Uhrenmodells entpuppt sich leicht als unwegsame Reise, gespickt mit Hindernissen. Zweifel kommen auf, Normen werden hinterfragt, technische Herausforderungen müssen gemeistert werden, und bis zum Ende bleibt die Unsicherheit über die Rezeption des Modells, sowohl seitens der Kritiker als auch des Marktes. In vielerlei Hinsicht spiegelt die Entwicklungsgeschichte der Royal Oak Offshore zwischen den Jahren 1989 und 1993 die Geschichte ihrer Vorgängerin und Inspirationsquelle, die Royal Oak aus dem Jahr 1972, wider.

Letztere, von Gerald Genta nach den ersten Anzeichen der Krise der Quarzuhren entwickelt, sprengte die Grenzen zwischen Luxus- und Sportuhren und hinterfragte gleichzeitig alle Normen und Konventionen in Bezug auf Herstellung und Endfertigung von Edelstahluhren. Diese minutiös gefertigte Uhr, mit ihrem großen Durchmesser, wurde für Sammler und Liebhaber zu einer wahren Ikone und bleibt auch über vier Jahrzehnte nach ihrer Einführung zeitlos. Doch wissen wir nur zu gut, dass Widerstände und Zweifel genauso Teil dieser Erfolgsgeschichte sind wie Anerkennung und Wertschätzung.

Die Geburtsstunde der Royal Oak Offshore lag im Jahr 1989, als Emmanuel Gueit, ein talentierter junger Designer der zweiten Generation in Diensten von Audemars Piguet, einen Konzeptentwurf für eine Weiterentwicklung der Royal Oak vorlegte. Die Royal Oak sollte massiver ausfallen, eine charakterstarke Uhr, die am Handgelenk der abenteuerlustigsten und kühnsten Sammler allen Naturgewalten und Elementarkräften gewachsen sei.

Der Konzeptentwurf von Gueit fand im Hause zunächst keine große Resonanz.

Ähnlich wie bei mehreren anderen Design-Entwürfen, die schließlich Erfolg hatten, waren die ersten Entwicklungsjahre von Einsamkeit geprägt. Ein Glück lag darin, dass der damalige Gemeinsame Geschäftsführer von Audemars Piguet das Projekt unterstützte. Er half und bestätigte Gueit, und war darüber hinaus derjenige, der der neuen Kreation ihren Namen gab: die Royal Oak Offshore.

Während die Royal Oak von Genta der eindeutige Bezugspunkt und Inspirationsquelle der Royal Oak Offshore war, unterschied sich das neue Design doch vom Ursprungsmodell in mehreren wesentlichen Aspekten, die zu charakteristischen Merkmalen der Royal Oak Offshore wurden. Die markanteste Veränderung war der Wechsel hin zu einem Gehäusedurchmesser von 42 mm. Heutzutage ist dies eine Standardgröße, doch als das Modell 1993 bei der BaselWorld vorgestellt wurde, war es ein Schock. Von den beeindruckenden Proportionen der Uhr rührte auch ihr Spitzname: „The Beast“.

Zusätzlich zum großen Gehäusedurchmesser und der hinzugefügten Chronographenfunktion stachen weitere Merkmale der Royal Oak Offshore heraus: die abgerundeten Kettenglieder des Armbands, der massive und sichtbare schwarze Dichtungsring auf der Lünette, die Silikonnoppen auf den Chronographendrückern und der Krone, der stilisierte Kronenschutz sowie die Einbettung des Uhrwerks in einen antimagnetischen Verschluss, was der große Gehäusedurchmesser erstmals ermöglichte.

Es ist vielfach dokumentiert, dass bei den ersten 100 Exemplaren der Royal Oak Offshore nicht der vollständige Name des Modells auf den Gehäuseboden eingraviert wurde, da es als riskantes Modell angesehen wurde. Lediglich „Royal Oak“ wurde darin eingraviert. Die ersten Exemplare der Royal Oak Offshore hatten noch weitere Eigenheiten und waren unter anderem mit Faltschließen ausgestattet, die bald durch offenstrukturierte Schließen ersetzt wurden.

Darüber hinaus waren zusätzliche Kettenglieder des Armbands mit vier Schrauben gesichert, die bei späteren Exemplaren aus Gründen der Funktionalität entfernt wurden. Die ersten Ausfertigungen wurden zudem in besonderen, achteckigen Schachteln präsentiert und verkauft, die auf der Oberseite mit einem runden Sichtfenster versehen waren.

Dieses Exemplar ist Teil der permanenten Ausstellung des Audemars Piguet Museums und trägt die Nr. 32 der ersten 100 gefertigten Uhren. Als eine dieser einzigartigen Gruppe ist das Wort „Offshore“ nicht auf dem Gehäuseboden der Uhr eingraviert. Das Farbschema dieser frühen Exemplare teilt dieselben Schattierungen wie die Original Royal Oak 1972, doch bemerkt der aufmerksame Beobachter ein etwas größer ausgefallenes Tapisserie-Motiv auf dem Zifferblatt. Für Liebhaber haben die frühen Exemplare der Offshore einen hohen Sammelwert, wenn sie alle originalen Merkmale dieser gefeierten Raritäten aufweisen.

Mehr als 20 Jahre sind seit der Einführung vergangen, „the Beast“ hat seine Fesseln jetzt wahrlich gesprengt. Die Modellinie der Royal Oak Offshore ist seit ihrer Einführung eine von Audemars Piguets wichtigsten Plattformen und Experimentierfeld für innovative Gehäusematerialien und gewagte Designentscheidungen. Die in den letzten zwei Jahrzehnten entstandenen 118 Variationen der 42-mm-Uhr zeugen davon. Sie wurde zur Ikone und zu einem Symbol jener Verschmelzung von Luxus- und Sportästhetik, die bei ihrer Einführung 1993 kräftig an den Standards und Erwartungen der Branche rüttelte. Wie andere Innovationen und Entwicklungen von Audemars Piguet vor ihr und seither, setzte die Royal Oak Offshore neue Maßstäbe und Trends. Die Royal Oak Offshore wird auch in den nächsten zwanzig Jahren und darüber hinaus Sammler und Liebhaber faszinieren und für interessante Kontroversen sorgen.