Brillantes Know-how

Bereits im 19. Jahrhundert fertigte Audemars Piguet sehr kleine Uhren, die für Damen bestimmt waren.

In ihrem abgelegenen Bergtal im Schweizer Jura nutzten die Uhrmacher die langen Winter, um sich ein einzigartiges Know-how im Bereich der uhrmacherischen Komplikationen und der Miniaturisierung anzueignen.

Um seine mechanischen Uhrwerke brillant in Szene zu setzen und seine Uhren zu Kreationen der Haute Joaillierie zu machen, wandte sich Audemars Piguet oft an große Juweliere wie Cartier oder Tiffany.

1897. Broschenuhr mit Minutenrepetition, signiert von Tiffany
10 Linien Kaliber Audemars Piguet.
Audemars Piguet Kollektion, Inv. 35

Uhrmacher und Juweliere arbeiteten oft Hand in Hand, um außergewöhnliche „Zeitwächter“ hervorzubringen.

Dieser Artikel beschreibt eine der schönsten Haute Joaillerie-Uhren, die aus einer Zusammenarbeit zwischen Audemars Piguet und einem namhaften Juwelier hervorging.

Oscar Heyman eröffnete sein erstes Geschäft mit seinen Brüdern Nathan und Harry in New York im Jahr 1912. Oscar und Nathan hatten die Platin-Fasstechnik während ihrer Lehrzeit im russischen Charkow gelernt, bevor sie 1906 in die USA emigrierten.

Die Familie meldete sechs Patente zur Optimierung der Schmuckherstellung an, das erste im Jahr 1906. Anschließend arbeitete Oscar Heyman mit Cartier, Tiffany und Van Cleef & Arpels zusammen – Namen, die Audemars Piguet bereits vertraut waren.

Um 1922. Haute Joaillerie-Armbanduhr Nr. 104841.
Audemars Piguet Kollektion, Inv. 1666.

In den Archiven findet man keine Einzelheiten über die Zusammenarbeit zwischen Audemars Piguet und Oscar Heyman, aber die Uhr selbst verrät uns einige Geheimnisse.

Das Uhrwerk trägt die Nummer 25525, und aus dem Audemars Piguet-Verzeichnis geht hervor, dass es sich um ein Kaliber 8RP handelt, das ab 1920 hergestellt wurde. Das Uhrwerk mit der Signatur „Audemars, Piguet & Co Swiss“ gehört zur Kategorie der Miniaturuhrwerke. Es ist 22,3 mm hoch, 11,8 mm breit und 2,8 mm tief. Eine Besonderheit ist die Platzierung seiner Aufzugkrone bei 12 Uhr, die vermuten lässt, dass das Uhrwerk ursprünglich für eine Anhängeruhr bestimmt war.

Am 5. Februar 1921 wird dieses Uhrwerk mit einem Zifferblatt aus Rohsilber aber ohne Gehäuse an die New Yorker Niederlassung von Audemars Piguet geliefert.

Für das kleine Meisterwerk entwirft Oscar Heyman ein Haute Joaillerie-Armband aus Platin, und er beschließt, das Zifferblatt unter einem vollkommen mit Edelsteinen besetzten Deckel zu verbergen.

In Form, Größe und Farbe weisen die Steine eine große Vielfalt auf, doch die Symmetrie des Gesamtbildes ist perfekt. Um ein vollkommenes ästhetisches Gleichgewicht zu erzielen, platziert der Juwelier sogar gegenüber der echten Krone ein künstliches Pendant.

Den Deckel dieser „versteckten Uhr“ ziert ein zentraler Diamant mit Marquise-Schliff.

Um diesen eleganten Diamanten herum sind 16 kleine Diamanten im Princess-Schliff angeordnet. Das Ganze wird von zwei grünen, aus 20 Smaragden im Baguetteschliff bestehenden Linien gesäumt, die den damaligen Einfluss des Art déco-Stils belegen. Auch auf dem Armband ist die Farbe Grün mit 15 Smaragden im Baguette-Schliff präsent. Den mittleren Bereich des Armbands, der sich zur Uhr hin erweitert, zieren zwölf Rubin-Cabochons mit eingraviertem Blattmotiv. 261 Diamanten im Brillantschliff heben dieses Pflanzendekor hervor.

Um 1922. Haute Joaillerie-Armbanduhr Nr. 104841. Kollektion Audemars Piguet, Inv. 1666.


Unter dem Deckel offenbart sich die Uhrzeit durch ein ovales Zifferblatt, auf dem gebläute Kathedralzeiger die von Hand eingravierten und emaillierten arabischen Ziffern beleben.

Die Abteilung Museum und Markenerbe von Audemars Piguet erwarb diese Uhr im Jahr 2015 bei einer Versteigerung in Hong Kong. Sie ist im Designbereich des Musée Atelier Audemars Piguet ausgestellt.

Seit den 1980er Jahren arbeitet Audemars Piguet regelmäßig mit externen Designern zusammen, doch gleichzeitig richtete das Unternehmen in der Manufaktur eine eigene Juwelierwerkstatt ein, in der Haute Joaillerie-Uhren kreiert und restauriert werden.. Genau wie die Uhr Nr. 04841 ist diese Werkstatt ein fester Bestandteil des Musée Atelier Audemars Piguet.

Um 1922.
Haute Joaillerie-Armbanduhr Nr. 104841.
Kollektion Audemars Piguet, Inv. 1666.