FUNKTIONEN, FORMEN & MONDPHASEN

Die Abteilung Audemars Piguet Heritage veröffentlichte kürzlich den Artikel „Griff nach den Sternen“, der erste einer Serie von Beiträgen, die in die Welt der historischen Armbanduhren des Unternehmens aus dem 20. Jahrhundert mit Vollkalender und ewigem Kalender eintauchen. Dieser Beitrag, Funktionen, Formen & Mondphasen, hebt die bedeutsame Rolle hervor, die das Kaliber 9/10RSQ von Audemars Piguet in der Entwicklung von Armbanduhren mit Kalenderfunktion und allgemein für Uhrendesigns der späten 1940er bis 1960er Jahre eingenommen hat.

Die Geschichte des Kalibers 9/10RSQ ist ein faszinierendes und bedeutungsvolles Kapitel, da es sowohl die Seltenheit, die den Komplikationen von Audemars Piguet eigen ist, als auch die sagenhafte Kreativität der Uhrmacher, der Gehäusemacher, der Kunsthandwerker und der Monteure veranschaulicht, die ihre Zeit und ihr Talent in den Dienst der Manufaktur stellten. Vom Kaliber 9/10RS wurden insgesamt 2.811 Einheiten gefertigt, die Uhren hatten jedoch größtenteils nur eine Zeitanzeige. Lediglich 68 Exemplare wurden mit Kalendermechanismus gefertigt und dementsprechend als 9/10RSQ bezeichnet. Die 68 Vollkalender-Kaliber wurden in vier unterschiedlichen Modellen verarbeitet (Referenznummern 5504, 5516, 5514 & 5515), die eine unglaubliche Vielfalt an Gehäusedurchmessern, Gehäuseformen, Zifferblattfertigungen und Gesamtästhetik aufweisen.

Bevor die Unterschiede der vier Modelle hervorgehoben werden, ist es wichtig, darauf einzugehen, was sie alle verbindet: das Kaliber 9/10RSQ. Das Rohwerk dieser bedeutungsvollen Kaliber stellte Louis-Elysée Piguet. Die kreisförmigen Uhrwerke wurden daraufhin von Uhrmachern von Audemars Piguet montiert und einer eingehenden Finissage unterworfen: die Genfer Streifen auf den Serpentinenbrücken, die kreisgeschliffenen oder glattgefeilten Grundplatinen, die polierten Schrägkanten, die glattgefeilten Stahlkomponenten und die intensiv polierten Schrauben wurden allesamt mit viel Sorgfalt und Präzision gehandhabt. Die Herstellung dieser 68 Vollkalender-Kaliber streckte sich von 1945 bis 1950, und sie wurden zwischen den Jahren 1949 und 1967 verkauft.

Die Geschichte des Kalibers 9/10RSQ ist ein kondensierter Ausdruck der immensen Kreativität und der Einzigartigkeit von Armbanduhren mit Kalenderfunktion von Audemars Piguet. Während nur 68 Exemplare produziert und in vier verschiedene Modelle eingesetzt wurden, liegt doch eine enorme Bandbreite an Gehäusedimensionen und -formen, Zifferblattgestaltung und globaler Formsprache vor. Diese außergewöhnlichen Vollkalender-Armbanduhren veranschaulichen das Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation, das für Audemars Piguet so kennzeichnend ist. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Zwanzig dieser außergewöhnlichen Uhrwerke wurden für das einzigartige Modell der Referenznummer 5504 verwendet, wovon 19 im Jahr 1948 gefertigt und zwischen 1949 und 1956 verkauft wurden. Eines wurde 1959 hergestellt und 1967 verkauft. Dieses beeindruckende Modell ist anhand des Gehäusedurchmessers von 37 mm (in dieser Zeit wahrhaftig überdimensioniert), dem Ziffernring mit Datumsanzeige und zugehörigem zentralen Datumszeiger, des außergewöhnlich flachen Gehäuses und der stilvollen zweifarbenen Schattierung des Zifferblatts sofort erkennbar. Wochentag und Monat werden in symmetrischen, rechteckigen Fenstern angezeigt.

Die Mondphasen mit einer Mondscheibe aus Emaille wurden mit einer kleinen Sekunde auf der 6-Uhr-Position kombiniert. Obwohl die Größe und der Aufbau des Gehäuses (dünne Lünette, erweiterte Bandanstöße) sowie die Gestaltung des Zifferblatts für die Epoche sehr ungewöhnlich waren, ist das Modell 5504 doch eine wunderbar ausgewogene Uhr. Von den 20 in den Archiven dokumentierten Ausführungen der Referenz 5504 sind momentan neun der Abteilung Audemars Piguet Heritage bekannt, und vier davon sind Teil der Bestands des Audemars Piguet Museums.

Die andere runde Armbanduhr, die vom Kaliber 9/10RSQ angetrieben wird – das Modell mit der Referenz 5513 – liegt im Vergleich zur Referenz 5504 am gegenüberliegenden Ende des Gestaltungsspektrums. Während die Referenz 5504 mit 37 mm einen großen Gehäusedurchmesser vorweist, ungewöhnlich gestaltet und höchst stilisiert ist, präsentiert die Referenz 5513 eine kompakte Größe von 31 mm und eine traditionellere Kalenderanzeige.

Merkmale des Gehäuses der Referenz 5513 sind die ausgeprägte Lünette und die dicken Bandanstöße. Trotz des geringen Durchmessers ist der Kalender gut lesbar, dank großer Hilfszifferblätter auf der 12-Uhr-Position (Datumsanzeige) und der 6-Uhr-Position für die Mondphasenanzeige in Verbindung mit einer kleinen Sekunde, und kleinerer Hilfszifferblätter auf der 9-Uhr-Position (Wochentagsanzeige) und der 3-Uhr-Position (Monatsanzeige).

Neunzehn Exemplare der Referenz 5513 wurden zwischen 1945 und 1950 gefertigt, und sie wurden zwischen den Jahren 1951 und 1967 verkauft. Den Archiven zufolge waren 11 davon in Gehäuse aus Gelbgold, 4 in Gehäuse aus Weißgold und 3 in Roségold eingebettet. Nur vier der 19 Exemplare sind der Abteilung Heritage momentan bekannt, eines wurde vor kurzem vom Museum erworben und in der Broschüre „Audemars Piguet Calendar Wristwatches 1924 – 1993“ abgedruckt.

In einer Epoche, in der Komplikationen primär für runde Uhren entworfen wurden, führte Audemars Piguet zwei viereckige Vollkalender-Modelle mit radikalen Gestaltungsmerkmalen ein. Beide Modelle waren bei dem bekannten Fachhändler Cartier sehr beliebt. Das erste Modell mit der Referenz 5514 wurde zwischen 1945 und 1950 in insgesamt 22 Ausführungen hergestellt. Letztlich gab es zwei Varianten der Referenz 5514: Die erste wurde zwischen 1950 und 1959 verkauft und war mit großen, geschwungenen Bandanstößen versehen, während die zweite zwischen 1960 und 1967 verkauft wurde und traditionellere gerade Bandanstöße hatte.

Beide Varianten der Referenz 5514 besaßen traditionelle Kalenderanzeigen, die in ihrer Gestaltung dem zuvor beschriebenen kompakten runden Modell, Referenz 5513, ähnlich waren: große Hilfszifferblätter auf der 12-Uhr-Position (Datumsanzeige) und der 6-Uhr-Position für die Mondphasenanzeige in Verbindung mit einer kleinen Sekunde, und kleinere Hilfszifferblätter auf der 9-Uhr-Position (Wochentagsanzeige) und der 3-Uhr-Position (Monatsanzeige). Die meisten Gehäuse wurden aus Gelbgold gefertigt, doch dokumentieren die Archive, dass einige Exemplare sowohl in Roségold als auch in Weißgold ausgeführt wurden. Die Zifferblätter der Referenz 5514 besaßen entweder applizierte Stabindizes aus Gold oder applizierte arabische Ziffern.

Das letzte Modell, das mit dem Kaliber 9/10RSQ versehen wurde, war das höchst ungewöhnliche Modell mit der Referenznummer 5515.

Die Uhr wurde in neun Ausführungen gefertigt, doch verwendeten nur sieben das Kaliber 9/10RSQ, während die anderen beiden mit dem Vorgängerkaliber 10GHSM ausgestattet waren.

Die sieben Exemplare mit Kaliber 9/10RSQ wurden zwischen 1949 und 1950 gefertigt und zwischen 1950 und 1960 verkauft.

Die Gehäuse der Referenz 5515 ähnelten in ihrer Form und Gestaltung der ersten Serie der Referenz 5514, mit ihrem 25 mm breiten viereckigen Gehäuse und dramatisch-geschwungenen tropfenförmigen Bandanstößen. Die ungewöhnlichen Zifferblätter der Referenz 5515 wurden jedoch wie beim großen, runden Modell der Referenz 5504 gestaltet, gekennzeichnet durch den runden Ziffernring mit Datumsanzeige und zugehörigem zentralen Datumszeiger, Wochentags- und Monatsanzeige in symmetrischen, rechteckigen Fenstern und die Mondphasenanzeige, kombiniert mit einer kleinen Sekunde auf der 6-Uhr-Position.