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"Renée Levi zeigt „September“, eine neue Malerei an der Fassade der Hayward Gallery"

Nahaufnahme des Kunstwerks.

Die Schweizer Künstlerin Renée Levi zeigt September, ein gemeinsam von der Hayward Gallery und Audemars Piguet Contemporary in Auftrag gegebenes Werk. Diese erste großformatige Arbeit der Künstlerin für den öffentlichen Raum im Vereinigten Königreich, bespielt die Fassade der Hayward Gallery im Londoner Southbank Centre.

Mit dieser auf das Gebäude abgestimmten Intervention setzt sich Renée Levi mit der ikonischen brutalistischen Architektur der Hayward Gallery auseinander. Das markante, vorspringende rechteckige Fenster, das ‚Auge‘ des Gebäudes, bezieht sie in die Komposition ein und entfaltet ihre Malerei um diesen Ankerpunkt herum. Ober- und unterhalb des Fensters erstrecken sich leuchtende Farben und spielerische malerische Spuren über die Gebäudefläche, wobei ein menschlicher Maßstab immer beibehalten wird.

„September“ beginnt mit einer Begegnung von Malerei, Körper und den markanten Formen der Hayward Gallery. Maßstab und Geometrie des Gebäudes prägen das Werk, während sich die malerischen Gesten am menschlichen Körper orientieren. Das Werk kann nie als Ganzes wahrgenommen worden. Man begegnet ihm im Vorübergehen, aus unterschiedlichen Entfernungen und Blickwinkeln. Die Malerei entfaltet sich mit der Zeit: zunächst durch den Akt des Malens selbst, später durch die Bewegung der Menschen, die vorbeigehen. Eine Zeit lang verändert „September“ die Skyline, und wenn das Werk wieder verschwindet, wird vielleicht spürbar, dass etwas fehlt.

Renée Levi

Künstlerin

Nahaufnahme des Kunstwerks.

„September“

Im Zusammenspiel von Kunstwerk und architektonischem Umfeld spiegelt „September“ die langjährige Beschäftigung der Künstlerin mit dem Dialog zwischen Malerei, Architektur und Umgebung wider. Renée Levi richtet jede Arbeit an den physischen und architektonischen Gegebenheiten des jeweiligen Ortes aus. An der Hayward Gallery, die als Grade-II-Baudenkmal geschützt ist, tritt diese Herangehensweise besonders deutlich hervor. Sichtbeton und eine ausdrucksstarke geometrische Formensprache verleihen der kompromisslosen Architektur des Gebäudes und seiner Fassade eine ganz eigene skulpturale Präsenz. Renée Levis Intervention greift diese Gegebenheiten unmittelbar auf und bindet den unverwechselbaren Charakter des Gebäudes in die Malerei ein.

Eine Malerei dieser Größenordnung im öffentlichen Stadtraum zu realisieren, stellte die Künstlerin vor eine neuartige Aufgabe. „September“ ist zugleich die erste Malerei, die Audemars Piguet Contemporary in Auftrag gegeben hat. Der Standort ermöglicht allen, die das Werk gezielt besuchen oder zufällig daran vorbeikommen, eine unmittelbare und persönliche Begegnung mit diesem temporären Werk. Eine solche Perspektive wäre in einem klassischen Ausstellungsraum nicht möglich.

„September“ belebt die ikonische Architektur der Hayward Gallery und erweitert die Möglichkeiten der Malerei im öffentlichen Raum. Renée Levi begreift die Fassade nicht einfach als Fläche für ihr Werk, sondern als interagierendes Medium. Sie reagiert auf deren Rhythmus, Materialität und Maßstab mit einem Werk, das sich im Laufe der Zeit mit seiner Umgebung wandelt. „September“ ist Renée Levis erste großformatige Arbeit für den öffentlichen Raum im Vereinigten Königreich und die erste Malerei, die Audemars Piguet Contemporary in Auftrag gegeben hat. Damit verkörpert das Werk unsere Mission, Künstlerinnen und Künstler dabei zu unterstützen, neue Wege in ihrer künstlerischen Praxis zu beschreiten. Zugleich zeugt es von unserem gemeinsamen Bekenntnis zu Exzellenz, Experimentierfreude und Innovation im Umgang mit Material, Prozess und Zeit.

Audrey Teichmann

Kuratorin, Audemars Piguet Contemporary

Die South Bank ist für ihre lange Tradition kreativen Experimentierens bekannt. Zugleich ist sie ein städtischer Kreuzungspunkt, den täglich unzählige Menschen auf ihren Wegen durch die Stadt passieren. Jede Wahrnehmung des Werks erfolgt aus einer anderen Perspektive: aus der Entfernung, aus nächster Nähe oder in flüchtigen Seitenblicken, bei strahlendem Tageslicht oder in den Schatten getaucht. Diese Flüchtigkeit spiegelt sich im Titel des Werks wider: „September“ steht für eine Zeit, in der sich Wetter, Licht und das Tempo des Großstadtlebens verändern. Während der achtwöchigen Präsentation wird das Kunstwerk im pulsierenden London für viele zum festen Bestandteil ihres Alltags und lädt sie täglich zu einem Moment der Begegnung mit Kunst ein.

Erstmals verwendet Renée Levi ein industrielles Netzgewebe als Bildträger. So hält ihr Werk Wind und Wetter stand, zugleich ist es eine geschlossene Komposition und eine erweiterbare Serie. Renée Levi verändert die normale Nutzung solcher Industrienetze, auf denen sonst großformatige Werbebanner befestigt werden. Sie übersetzt das handelsübliche Material in eine malerische Sprache. Die organischen Gesten in Leuchtfarben überschreiten dabei nie die Dimensionen, die der menschliche Bewegungsradius vorgibt.

Renée Levis innovativer Umgang mit Materialien weist Parallelen zum kreativen Prozess von Audemars Piguet auf. Sowohl die Künstlerin als auch die Schweizer Uhrenmanufaktur arbeiten experimentell mit Materialien, um in einem iterativen Prozess neue Formen entstehen zu lassen. Renée Levis Werk entfaltet sich im Spannungsfeld von Begrenzung und Möglichkeit und lässt mit der Zeit neue Bildsprachen entstehen.

Die Rohbetonfassade der Hayward Gallery diente im Lauf der Jahre immer wieder als ungewöhnliche Leinwand für künstlerische Interventionen. Mit „September“ erweitert Renée Levi unser langjähriges Programm für Kunst im öffentlichen Raum um eine großformatige Malerei, deren schwungvolle Gesten die graue brutalistische Fassade aufbrechen und die ständige Bewegung der South Bank selbst aufnehmen. Renée Levis Auftragsarbeit bringt neue Wärme in die Londoner Skyline und verwandelt einen alltäglichen Spaziergang entlang der Themse in eine überraschende Begegnung mit lebendiger Kunst, Tag für Tag.

Yung Ma

Curator, Hayward Gallery

Porträt des Künstlers.

Über Renée Levi

Seit über dreißig Jahren hinterfragt Renée Levi das Medium Malerei. Sie untersucht Farbe und Farbauftrag, deren Körperlichkeit sowie ihre räumliche Entfaltung auf unterschiedlichen Bildträgern ebenso wie in installativen Zusammenhängen. Renée Levi wurde 1960 in Istanbul geboren und wuchs im Kanton Aargau auf. Heute lebt und arbeitet sie in Basel. Nach einem Architekturstudium an der HTL Muttenz/Basel studierte sie an der Zürcher Hochschule der Künste. 1998 begann sie die Zusammenarbeit mit Marcel Schmid als Atelierpartner. 

Zu ihren jüngeren Einzelausstellungen zählen Präsentationen bei Öktem Aykut (Istanbul, 2025 & 2022), im Palais de Tokyo (Paris, 2024), in der Galerie Mezzanin (Genf, 2024), bei PHILIPPZOLLINGER (Zürich, 2023 & 2021), in der Villa du Parc (Annemasse, 2021), im Musée d’Art, Histoire et Archéologie d’Évreux (2020), auf der Biennale de Lyon (2019), im Museum Langmatt (Baden, 2019), im Istituto Svizzero Mailand (2019) sowie in der Galerie Freymond-Guth (Basel, 2017). 

Darüber hinaus war sie an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt, unter anderem im Palais de Tokyo (Paris, 2023), im Centre d’Art Pasquart (Biel, 2022), im MAMCO (Genf, 2021), im Istituto Svizzero Rom (2019), bei Vin Vin (Wien, 2018) sowie im Kunstverein München (2015). Renée Levi wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Prix de la Société des Arts de Genève (Arts visuels) im Jahr 2019 sowie dem Prix Meret Oppenheim im Jahr 2002. Zudem ging sie als Gewinnerin des Wettbewerbs für Kunst am Bau am Parlamentsgebäude in Bern hervor.