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Renée Levi gestaltet im Rahmen eines Gemeinschaftsauftrags von Audemars Piguet Contemporary die Fassade der Hayward Gallery neu

Porträt des Künstlers.

Die Schweizer Künstlerin Renée Levi wird im September eine neue, großformatige Arbeit für die Fassade der Hayward Gallery in London fertigstellen. Das gemeinsam von der Hayward Gallery und Audemars Piguet Contemporary in Auftrag gegebene Werk führt Renée Levis langjährige Auseinandersetzung mit Malerei im öffentlichen Raum fort. Die zweiteilige Arbeit ist Renée Levis erste großformatige Auftragsarbeit im öffentlichen Raum im Vereinigten Königreich und wird vom 23. September 2026 bis zum 15. November 2026 zu sehen sein.

Renée Levi betrachtet die Malerei als operative Praxis – eine, die die Flächen, die sie bespielt, verdeckt, freilegt, filtert und verwandelt. Im Zentrum ihres Ansatzes steht nicht die Herstellung eines vorab festgelegten Bildes, sondern die zeitliche Entfaltung der Geste selbst. Ihre Werke entstehen aus der Begegnung von Körper, Material und Ort und rücken Malerei als performativen, situativen Prozess in den Vordergrund.

Zeichnen ist ein unmittelbarer, körperlicher Akt in situ innerhalb eines Kontextes, der Material, Maßstab und Handlung bestimmt. Der Maßstab ist körperbezogen: Reichweite, Armbewegung, räumliche Ausdehnung. Die Werkzeuge entstehen aus der Situation heraus und bestimmen die Setzung der Spur. Regeln entwickeln sich im Vollzug und schließen Korrektur, Übermalung und Kompositionen aus. Es gibt kein Zurück. Die Arbeit entsteht in einem einzigen, kontinuierlichen Durchgang. Zeichnen ist Handlung. Handlung erzeugt das Bild. Sichtbar wird Zeit.

Renée Levi

Künstlerin

Nahaufnahme des Kunstwerks.

Die Arbeit versteht sich als ortsspezifische Intervention, die unmittelbar mit der ikonischen brutalistischen Architektur der Hayward Gallery interagiert. Die markanten Vorsprünge und Fenster des Gebäudes dienen dabei als Ausgangspunkte und werden als Teil einer neu aktivierten Außenfläche neu gerahmt. Über die gesamte Fassade hinweg verbindet das Werk die Bereiche ober- und unterhalb durch eine kontinuierliche malerische Geste und aktiviert das Gebäude zugleich als Bild und als Feld.

Der Gemeinschaftsauftrag knüpft an Renée Levis langjährige Erforschung der Malerei als unmittelbarem, körperlichem Akt an sowie an ihre kontinuierliche Beschäftigung mit dem architektonischen Raum, geprägt durch ihre Ausbildung an der HTL Muttenz/Basel. Ausgehend von ihrer zeichnerischen Atelierpraxis überträgt sie Gesten in den Raum und reagiert auf die physischen und architektonischen Gegebenheiten jedes Ortes. An der Hayward Gallery entfaltet sich dieser Zugang im monumentalen Maßstab und wird durch die spezifischen Bedingungen und Möglichkeiten des Außenraums geformt.

Renée Levis neue Arbeit macht die ikonische Architektur der Hayward Gallery als lebendige Wahrnehmungsfläche erfahrbar und erweitert die Grenzen der Malerei. Renée Levi begreift die Hayward Gallery nicht als bloße Kulisse, sondern als eine Ebene, mit der sie in Dialog tritt, und reagiert dabei auf deren Rhythmus, Materialität und Maßstab. Künstlerinnen und Künstler dabei zu unterstützen, neue Territorien ihres Kunstschaffens zu erschließen, steht im Zentrum der Mission von Audemars Piguet Contemporary. Nachdem wir Renée Levis Arbeit seit Jahren verfolgen, spiegelt dieser Gemeinschaftsauftrag unser Bestreben wider, überraschende Begegnungen zwischen zeitgenössischer Kunst und neuen Zielgruppen zu schaffen. Dieses Werk wird in enger Zusammenarbeit mit unserem Co-Auftraggeber, der Hayward Gallery, realisiert und präsentiert.

Audrey Teichmann

Kuratorin, Audemars Piguet Contemporary

Das auf einem industriellen Netzträger realisierte Werk führt neue materielle Bedingungen ein, die den malerischen Akt zugleich ermöglichen und herausfordern. Dieser Prozess erfordert eine vorbereitende Phase, die prägt, wie Farbe, Oberfläche und Sichtbarkeit artikuliert werden. Das Werk wird in modularen Abschnitten gefertigt und vor Ort montiert. Es existiert sowohl als geschlossene Komposition als auch als erweiterbare Struktur, die sich an die Geometrie der Fassade anpasst.

Diese Auftragsarbeit markiert eine neue Entwicklung in der Praxis von Renée Levi, indem sie ihre malerische Sprache in den öffentlichen Raum trägt und neue räumliche wie materielle Bedingungen einschließt. Zugleich handelt es sich um die erste von Audemars Piguet Contemporary in Auftrag gegebene Malerei und damit um ein Beispiel für das Engagement des Programms, Künstlerinnen und Künstler dabei zu unterstützen, neue Territorien innerhalb ihrer Praxis zu erkunden.

Porträt des Künstlers.

Über Renée Levi

Seit über dreißig Jahren hinterfragt Renée Levi das Medium Malerei. Sie untersucht Farbe und Farbauftrag, deren Körperlichkeit sowie ihre räumliche Entfaltung auf unterschiedlichen Bildträgern ebenso wie in installativen Zusammenhängen. Renée Levi wurde 1960 in Istanbul geboren und wuchs im Kanton Aargau auf. Heute lebt und arbeitet sie in Basel. Nach einem Architekturstudium an der HTL Muttenz/Basel studierte sie an der Zürcher Hochschule der Künste. 1998 begann sie die Zusammenarbeit mit Marcel Schmid als Atelierpartner. Zu ihren jüngeren Einzelausstellungen zählen Präsentationen bei Öktem Aykut (Istanbul, 2025 & 2022), im Palais de Tokyo (Paris, 2024), in der Galerie Mezzanin (Genf, 2024), bei PHILIPPZOLLINGER (Zürich, 2023 & 2021), in der Villa du Parc (Annemasse, 2021), im Musée d’Art, Histoire et Archéologie d’Évreux (2020), auf der Biennale de Lyon (2019), im Museum Langmatt (Baden, 2019), im Istituto Svizzero Mailand (2019) sowie in der Galerie Freymond-Guth (Basel, 2017). Darüber hinaus war sie an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt, unter anderem im Palais de Tokyo (Paris, 2023), im Centre d’Art Pasquart (Biel, 2022), im MAMCO (Genf, 2021), im Istituto Svizzero Rom (2019), bei Vin Vin (Wien, 2018) sowie im Kunstverein München (2015). Renée Levi wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Prix de la Société des Arts de Genève (Arts visuels) im Jahr 2019 sowie dem Prix Meret Oppenheim im Jahr 2002. Zudem ging sie als Gewinnerin des Wettbewerbs für Kunst am Bau am Parlamentsgebäude in Bern hervor.